Strategien für die künftige Verbrennung des Bonner Klärschlamms – Aller guten Dinge sind drei (oder vier)

Für die künftige Entsorgung des Bonner Klärschlamms werden drei, genauer vier Alternativen diskutiert: 

  • eine Kooperation mit anderen Abwasserverbänden aus dem südlichen NRW,
  • eine neue Anlage am bisherigen Standort Salierweg in Bonn – entweder mit oder ohne Trocknung des Klärschlamms vor der Verbrennung,
  • ·eine Anlage auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage im Bonner Zentrum.

UMFANGREICHE GUTACHTEN

Für jede Alternative wurden Machbarkeitsstudien erstellt. Um Vergleichbarkeit zu erzielen, wurde in allen Fällen das Ingenieurbüro Dr. Born Dr. Ermel beauftragt. Außerdem wurde nachträglich eine Umweltanalyse in Auftrag gegeben. Ein Vergleich ist aber dennoch aus verschiedenen Gründen nicht oder nur eingeschränkt möglich. Das liegt am unterschiedlichen Detailgrad, aber auch daran, dass nur ein Teil der Informationen öffentlich zugänglich ist.

STRATEGIE 1: KOOPERATIONSLÖSUNG MIT ANDEREN ABWASSERENTSORGERN

Bei der Kooperationslösung würde die Stadt Bonn mit drei anderen Abwasserentsorgern eine neue Monoklärschlammverbrennungsanlage (MKVA) errichten und betreiben. Die Partner sind die Stadtentwässerungsbetriebe Köln (StEB), der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) und der Erftverband (EV). Die Anlage ist mit einer Kapazität von 70 000 Tonnen geplant, der Standort wäre außerhalb von Bonn (in der Diskussion ist z.B. Düren). Die Kosten für die Investition würde zwischen den Partnern aufgeteilt, auf Bonn entfielen ca. 11 % der geschätzten 80 – 100 Mio. €.

Die Informationslage ist dürftig, denn die Machbarkeitsstudie von Born Ermel Ingenieure für Strategie 1 ist nicht einmal auszugsweise veröffentlicht. Selbst die Ratsmitglieder haben keinen Einblick erhalten und wurden mit Kurzinformationen abgespeist. Auch die Präsentation, die in Fraktionen des Stadtrats und auf der öffentlichen Informationsveranstaltung der Stadt gezeigt wurde, enthielt nur wenig Detailinformationen.

Außerdem war vereinbart, dass eine Entscheidung über die Beteiligung der Kooperationspartner Mitte 2018 vorliegen sollte, für Bonn wurde diese Frist noch bis Oktober 2018 verlängert. Da der Stadtrat aber bis heute keinen Beschluss zur künftigen Klärschlammverbrennung gefasst hat, ist mehr als fraglich, ob diese Option für Bonn überhaupt noch offen ist.

STRATEGIE 2: NEUBAU AM BONNER SALIERWEG (OHNE TROCKNUNG)

Bei Strategie 2 würde die Stadt Bonn die bestehende Anlage am Salierweg im Bonner Norden durch einen Neubau ersetzen. Wie heute ist eine Kapazität von 8 000 t geplant und auch die Betriebsweise würde beibehalten. Der Klärschlamm würde also vor der Verbrennung nicht getrocknet. Die Investitionskosten werden mit über 30 Mio € veranschlagt (aus unserer Sicht sind die Kosten aber in einigen Punkten aber zu hoch angesetzt). Diese Alternative können wir aber getrost außer Acht lassen. Denn im Vergleich zu Strategie 3 ist sie sowohl teurer als auch weniger umweltverträglich.

Am Salierweg würde die neue Verbrennungsanlage am bestehenden Standort (Gebäude mit weißem Dach) errichtet; Quelle: Born - Ermel,  Machbarkeitsstudie Salierweg , S. 12
Am Salierweg würde die neue Verbrennungsanlage am bestehenden Standort (Gebäude mit weißem Dach) errichtet; Quelle: Born – Ermel, Machbarkeitsstudie Salierweg, S. 12

STRATEGIE 3: NEUBAU AM SALIERWEG (MIT TROCKNUNG)

Bei Strategie 3 würde die Stadt Bonn ebenfalls eine neue Anlage mit 8 000 t Kapazität in Eigenregie neu errichten und betreiben. Im Gegensatz zu Strategie 2 würde der Klärschlamm vor der Verbrennung getrocknet. Die Investitionskosten sind etwas geringer als bei Alternative 2 (aber auch hier gibt es unseres Erachtens “Luft” für Einsparungen). Durch die Trocknung ist diese Lösung umweltverträglicher als Option 2. Ein wichtiger Vorteil im Vergleich zu den “großen Lösungen” ist die relativ geringe Schadstoffbelastung. Denn aufgrund der deutlich kleineren Kapazität sind die Emissionen aus der Anlage verständlicherweise deutlich niedriger. Auch bei den Transportemissionen punktet Alternative 3. Denn fast der gesamte Schlamm kommt über Druckleitungen, die Anlieferung mit LKWs ist minimal. Für die Strategien 2 und 3 liegen sehr detaillierte Untersuchungen vor, die auch veröffentlicht sind.

STRATEGIE 4: MVA-LÖSUNG DER STADTWERKE BONN

Wie Strategie 1 ist auch Strategie 4 (MVA-Lösung) eine sogenannte „externe Lösung“, d. h. Bauherr und Betreiber ist nicht die Stadt Bonn. Mit den Stadtwerken Bonn (SWB) wäre hier aber auch kein völlig fremder Investor am Zuge. Neben der Müllverbrennungsanlage (MVA) im Bonner Westen soll eine separate MKVA geplant werden – mit einer Kapazität von 35 000 t. Um die Anlage auszulasten, müssten also 27 000 t Schlamm von Gemeinden außerhalb mit LKWs ins Bonner Zentrum transportiert werden. Neben Klärschlamm soll auch ein kleinerer Teil Papierschlamm, etwa 5 000 t bis 7 500 t, verbrannt werden. Als Investitionskosten werden gut 42 Mio. € (netto) veranschlagt. Die Kosten würden von den Stadtwerken getragen. Möglich wäre auch, dass die Stadt Bonn einen Kredit aufnimmt und an die SWB weiterreicht, da sie günstigere Konditionen erhalten kann (entsprechende Überlegungen gab es schon bei der Planung für das neue Schwimmbad).

Wie für die anderen Modelle wurde von Born Ermel Ingenieure eine Machbarkeitsstudie erstellt (Anlagen separat hier). Sie ist allerdings bei Weitem nicht so detailliert ist wie das Gutachten für den Salierweg und auch nur auszugsweise veröffentlicht ist (geschwärzt wurden Teile aus patentrechtlichen Gründen, aber auch die Detailangaben zu Investitionen und Jahreskosten).

Als Vorteile preisen die Stadtwerke die größere Wirtschaftlichkeit, Synergieeffekte mit der Müllverbrennung und die Möglichkeit, Dampf an das nahegelegene Heizkraftwerk Nord zu liefern. Diese Vorteile sind zumindest mit einem Fragezeichen zu versehen. Dafür müssten die Bonnerinnen aber zusätzliche Schadstoffbelastungen durch Emissionen aus der Anlage und durch den Anlieferverkehr hinnehmen.

Bei Strategie 4 würde die neue Klärschlammverbrennung auf dem Gelände der MVA an der Immenburgstraße errichtet, rechts im Bild die MVA, im Hintergrund ist das Heizkraftwerk Nord angedeutet; Quelle: Born Ermel Ingenieure,  MVA-Machbarkeitsstudie (Anlagen)
Bei Strategie 4 würde die neue Klärschlammverbrennung auf dem Gelände der MVA an der Immenburgstraße errichtet, rechts im Bild die MVA, im Hintergrund ist das Heizkraftwerk Nord angedeutet; Quelle: Born Ermel Ingenieure, MVA-Machbarkeitsstudie (Anlagen)

UMWELTANALYSE

Auf Drängen aus dem Stadtrat wurde nachträglich eine Umweltanalyse bei Born Ermel Ingenieure in Auftrag gegeben. Sie untersucht detailliert für alle vier Ansätze (einschließlich der Kooperationslösung),

  • welche Schadstoff durch den Transport entstehen,
  • mit welchen Emissionen aus den Anlagen zu rechnen ist und
  • wie viel CO2-Äquivalente eingespart werden können durch Kraft-Wärme-Kopplung.

Dabei werden jeweils die Auswirkungen für das Stadtgebiet Bonn wie auch für den gesamten “Bilanzraum” der vier untersuchten Ansätze betrachtet.

TIPP: RATSDOKUMENTE “AUF EINEN BLICK”

Wichtige Dokumente zur Diskussion um die künftige Entsorgung des Bonner Klärschlamms finden Sie in BORIS, dem Bonner Ratsinformationssystem. Wenn Sie im Suchmodul die Nr. 1811289 eingeben, werden Ihnen alle Ratsdokumente und diverse externe Unterlagen zur Klärschlammverbrennung in Bonn aufgelistet – viel Spaß beim „Stöbern“ und Lesen.

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