Energiebilanz 3 – Positive Energiebilanz beim Salierweg

Für die Klärschlammverbrennung am Bonner Salierweg liegen detaillierte Ausarbeitungen und Zahlen für mehrere Varianten vor. Sie zeigen, dass der Salierweg einen Vergleich mit der MVA-Strategie keineswegs scheuen muss. Aber es gibt auch hier einige „blinde Flecken“ und widersprüchliche Angaben, die bisher nicht geklärt werden konnten.

TROCKNUNG BRINGT ENERGETISCHE VORTEILE

Gegenwärtig wird der Klärschlamm am Salierweg vor der Verbrennung nicht getrocknet. Deshalb wird fast das gesamte Faulgas aus der Kläranlage für die Stützfeuerung verwendet. Ein weiterer Teil wird über ein kleines Blockheizkraftwerk (BHKW) in Strom und Wärme umgewandelt und in der Kläranlage eingesetzt. Ein Rest von etwa 7 600 MWh/a kann jedoch derzeit nicht genutzt werden. Sowohl das Klimaschutz-Teilkonzept von 2013 wie auch die Machbarkeitsstudie von Born-Ermel (S. 83 f) kommen zu dem Ergebnis, dass die Energieeffizienz bei einer Anlage mit Trocknung maßgeblich ansteigt. Strategie II (Verbrennung am Salierweg ohne Trocknung) wird daher hier nicht weiter betrachtet.

DETAILLIERTE DARSTELLUNG DER ENERGIEBILANZ FÜR DEN SALIERWEG

Die Lösung Salierweg weist mehrere Vorteile auf:

  • Mit dem Faulgas der Kläranlage steht eine eigene Energiequelle zur Verfügung. Da die Verbrennungsstrategie mit Trocknung weniger Faulgas benötigt, kann ein größeres BHKW betrieben werden. Insgesamt kann so mehr (überschüssiges) Faulgas in Strom und Wärme umgewandelt werden.
  • Gleichzeitig kann die Abwärme aus dem BHKW und der Verbrennung für die Schlammtrocknung sowie die Beheizung der Faulung und von Gebäuden der Kläranlage verwendet werden.
  • Nicht zuletzt wird durch die Trocknung auch die bisher nicht genutzte Überschusswärme verringert.

 Die Gutachter von Born-Ermel haben in Sankey-Diagrammen für mehrere Varianten detailliert die Energieflüsse dargestellt – hier beispielhaft für eine Kapazität von 1×100% und Nutzung eines Motors (alternativ wurde eine Mikrogasturbine untersucht):

Quelle: Machbarkeitsstudie Salierweg, S. 52.
Quelle: Machbarkeitsstudie Salierweg, S. 52.

ENERGIEVORTEILE BEI STRATEGIE III (VERBRENNUNG AM SALIERWEG MIT TROCKNUNG)

Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, „dass während des Normalbetriebs ein Überschuss besteht, der an das Klärwerk abgegeben werden kann. Nur während der Revision wird externer Strom benötigt“ (S. 51, Machbarkeitsstudie Salierweg).

 Tabelle 38 (S. 84) verdeutlicht, dass eine Verbrennung am Salierweg insgesamt die höchsten Energiegewinne erzielt (Achtung: Die Werte beziehen sich nur auf die Energiebilanz am Salierweg!) :

Salierweg-Energiepotenziale-Tabelle.png

Entsprechende Daten in der später beauftragten Umweltanalyse weichen davon jedoch ab. Danach wird die ausgekoppelte Wärme am Salierweg bei den Strategien I und IV jeweils mit 0 veranschlagt (Anlage 2). Anhand der vorliegenden Informationen sind diese Angaben nicht nachprüfbar.

WOHIN MIT DEM WÄRMEÜBERSCHUSS BEI DEN „EXTERNEN STRATEGIEN“?

Die so genannten „externen Strategien“, d.h. Strategie I (Kooperationslösung) und Strategie IV (Klärschlammverbrennung an der Bonner MVA), schneiden schlechter ab. Bei diesen beiden Ansätzen ist der Energiegewinn am Salierweg rund 20 % niedriger.

Im Gutachten wird gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die externen Lösungen am Salierweg dazu führen, dass mehr Strom erzeugt und die Wärmeauskopplung reduziert werden kann (S. 83 und Tabelle 38, siehe oben). Das ist einerseits positiv, da Strom vielfältiger einsetzbar ist und im Gegensatz zur Wärme keine Abnehmer in der Nähe benötigt. Genauere Daten zu möglichen Einsatzmöglichkeiten der Wärme am Salierweg aber fehlen. Neben Nutzung in der Kläranlage ist eine Einspeisung in ein Fern- oder Nahwärmenetz denkbar. Die Stadtwerke bauen zwar ihr Fernwärmenetz in der Nähe der Kläranlage Salierweg aus. Stadt und Stadtwerke argumentieren jedoch, dass die überschüssige Wärmemenge zu gering sei, um in ein Fern- oder Nahwärmenetz eingespeist zu werden.

Fazit: Es ist nicht auszuschließen, dass künftig noch mehr Wärme als bisher nicht genutzt werden kann, falls die Verbrennung am Bonner Salierweg wegfällt.

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